01.03.2023

Projekt "Sturm und Drang"

FREIHEIT! ICH BIN MEIN HIMMEL UND MEINE HÖLLE!

Von Schillers Räubern und Mozarts Zauberflöte.

Ein Projekt zum friedlichen, respektvollen Miteinander von Schüler:innen unterschiedlicher Religionen und Kulturen in Freiheit, Demokratie, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung

Mal ehrlich, manchmal habe ich es gar nicht so leicht. Zunehmend gehe ich eigene Wege, treffe eigene Entscheidungen, zuweilen nicht die richtigen. Ich begehe zwangsläufig Fehler - das ist normal, menschlich. Die Kunst besteht darin, es nicht zur Gewohnheit werden zu lassen. Und, noch wichtiger, den Fehler nicht zu vertuschen, zu verleugnen oder alles noch viel schlimmer zu machen. Es gibt einen Punkt, da muss ich mich entscheiden: Zeige ich Stärke und stehe ich dazu, trage die Konsequenzen und die Sache ist aus der Welt? Oder mache ich alles noch viel schlimmer, versuche ich mich herauszumogeln, begehe Fehler um Fehler, Lüge um Lüge und verstricke mich bis dahin, dass ich nur noch unter größter Pein aus der Situation komme, oder sogar in die Kriminalität abrutsche? 

Seit Schillers „Sturm & Drang“-Jugenddrama ist das Thema noch immer aktuell, und im Hinblick auf die heutigen jugendlichen Radikalisierungen beunruhigend dazu. Das Stück handelt von zwei gegensätzlichen Brüdern. Der eine ignoriert radikalindividualistisch die Gesetze und der andere bricht diese auf Grund einer persönlichen Kränkung. Seine „Robin Hood-Ideologie“ gibt ihm moralische Absolution für Morden, Brennen und in die Luftjagen unschuldiger Mitmenschen. Politisches Ziele oder Ideen für eine bessere Welt hat er mit seiner Räuberbande nicht. Alles wird vernichtet; Werte wie Familie, Religion oder der eigene Platz in der Gesellschaft gehen verloren und die familiäre Tragödie ist unausweichlich. 

Auf der Basis dieses Stück entstand das Projekt „Sturm und Drang“ und wird bis heute weitergeführt. Inzwischen sahen Schüler:innen unseres Berufskollegs eine Vielzahl von Theater- und Ballettstücken, untersuchten die Aktualität der Mozart-Opern „Die Zauberflöte“, "Die Entführung aus dem Serail", "Don Giovanni", „Figaros Hochzeit“ in Aachen, Düsseldorf, Duisburg, München, Dresden, Wien und in Paris. Ist Humanität also das Ziel? Je höher das Ziel, so humorvoll-menschlich-spielerisch sollte der Weg dorthin sein. In der „Zauberflöte« z. B. verbindet der unabhängige, freiheitsliebende, unangepasste Mozart eine Mischung aus Kasperl-Unsinn und Freimaurer-Tiefsinn, unzeitgemäße Misogynie mit tiefster Menschlichkeit und schlichtweg himmlischer Musik. Dieses Singspiel eröffnet sich aber auch als eine Geschichte des Erwachsenwerdens. Und es ist verblüffend, wie einfach das im Grunde ist: Es gibt es eine schwierige Mutterfigur und einen abwesenden Vater. Und zudem zeigt das Stück das vernunftgesteuerte, humanistische Gedankengut der Zeit Mozarts. 

Aber: Kann heute die Begegnung mit Kultur helfen, Tugenden leichter zu erlernen? Kann ich mir in der Zeit der „Aufklärung“ bei Schiller oder Mozart Rat holen? Die sind doch lange tot! Ja, das kann schon sein - aber die Themen Humanität, Vernunft und Freiheit sind aktueller denn je! KH

Wir danken Helena Cánovas Parés von der Deutschen Oper am Rhein, Michael Foster von Ballett am Rhein sowie unseren Unterstützern und Förderern des Projektes „Sturm & Drang“ für Inspiration, hervorragende Inszenierungen, Unterstützung und die Zusammenarbeit sehr herzlich: