05.10.2022

EGON SCHIELE auf der ArtTour Stolberg

Schiele-Interpretationen auf der Stolberger Burg ausgestellt

Mit Schüler:innen der Berufsfachschule standen neben der Auseinandersetzung mit dem Werk des Künstlers, der Betrachtung des menschliches Körpers als ästhetisches Material auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, mit dem Bild vom Körper in der Öffentlichkeit. Auch das Annehmen des eigenen Körpers als etwas ganz Natürliches mit dem Hinterfragen „Wer bin ich?“ Künstlerisch stand das Darstellen des Körpers im Mittelpunkt, entweder im freien Malen u./o. collageartiger Aufbau mit modernen Techniken, Einkleben von Materialien, Papier, Bildern, Auftragen von Spachtelmasse, Acryl… also das erfolgreiche kreative Arbeiten entsprechend den eigenen künstlerischen Fähigkeiten. Das Ziel bestand darin, dass nicht etwa Kopien von SCHIELE-Blättern oder -Zeichnungen entstehen, sondern NEU-Inter-pretationen in Form von Gemälden, die es nie gab und trotzdem eines sind – ganz Egon Schiele!

Zum Künstler Egon Schiele und seiner Zeit:
Schiele (1890 - 1918) gilt als "enfant terrible" der klassischen Moderne. Bereits mit 16 Jahren er an der Wiener Akademie aufgenommen. Der zweifelnde Schiele fragt Gustav Klimt: "Habe ich Talent?" - "Talent? Ja, viel zu viel", soll Klimt geantwortet haben. Egon Schiele bleibt der Kunst immer treu, obwohl er in ärmlichsten Verhältnissen lebt und kaum ein Bild verkauft. Seine Kunst, anfangs geprägt vom Wiener Jugendstil, wird später brutal expressiv. Er zeigt die Doppelmoral einer Gesellschaft, die er später systematisch seziert und deren Tabus er freilegen wird.Schon der 19-jährige Schiele findet seinen eigenen künstlerischen Weg, der andere provoziert und ihn selbst wie einen pubertierenden Jüngling erscheinen lässt. Die Nacktheit dominiert die Blätter. Seine Akte haben etwas Gequältes, Getriebenes, sie wirken fast marionettenhaft. Als ob sie an Fäden gezogen werden, als ob sie fremdbestimmt sind, auch wenn er sich selber darstellt. Es wirkt nicht frei, sondern einem Zwang unterworfen. Egon Schiele kennt die Doppelmoral. Gegen den Schönheitskult der Wiener Sezession setzt er das Hässliche, Verzerrte.
Wien um 1900 wird seit Jahren geschüttelt von Skandalen und öffentlichen Diskussionen über die Grenzen des Erlaubten in der Kunst. Künstler wie Gustav Klimt und Oskar Kokoschka greifen mit ihren freizügigen nackten Frauendarstellungen die Doppelmoral an. Musiker wie Gustav Mahler und Arnold Schönberg überschreiten die Grenze zur Moderne; Arthur Schnitzler rüttelt mit seinen Dramen an den Grundfesten der Gesellschaft, und Sigmund Freud macht die Sexualität der Frau erstmals öffentlich.
Im Alter von nur 28 Jahren wird der Künstler Opfer der Spanischen Grippe. Und was bleibt? Vielleicht ist Schieles Werk zu verwirrend, zu nahe an den persönlichen Empfindungen der Betrachter - vielleicht zu nahe an unseren eigenen geheimen Sehnsüchten und Wünschen?