09.09.2025

Studienaufenthalt in Malaysia im Rahmen von Erasmus+

Im Rahmen meines Erasmus+-Job-Shadowings durfte ich im Sommer 2025 verschiedene Einrichtungen und Hochschulen in Malaysia besuchen und vielfältige Eindrücke in die Ausbildung frühpädagogischer Fachkräfte sowie in das dortige System der frühkindlichen Bildung gewinnen. Der Aufenthalt war geprägt von einem sehr herzlichen Empfang, intensiven Fachaustauschen und spannenden Einblicken in innovative Bildungsansätze.

Besuch an der University of Malaya

Ein zentraler Programmpunkt war der Besuch an der University of Malaya in Kuala Lumpur, wo ich mit Lehrenden und Professor:innen ins Gespräch kam. Die Universität setzt in der Ausbildung von Pädagog:innen klare Schwerpunkte auf Inklusion. Neben dem Bereich Early Childhood Education gibt es auch den Studiengang Counseling, der als eigenständiges Programm läuft. Der internationale Vergleich zeigte mir spannende Unterschiede in der Studienstruktur. Besonders eindrücklich war auch die Gastfreundschaft: Ich wurde zu einem Festessen anlässlich eines religiösen Feiertages eingeladen und konnte dadurch Einblicke in die Kultur Malaysias gewinnen.

Ergänzend erhielt ich Informationen zur Ausbildung: In Malaysia umfasst der Bachelor in Early Childhood Educationin der Regel drei bis vier Jahre, inklusive mehrwöchiger Praktika, und qualifiziert für die Arbeit in Vorschulen, Kindergärten und Leitungstätigkeiten. Daran schließt sich die Möglichkeit eines Masterstudiums (1–2 Jahre) an, das stärker forschungs- und managementorientiert ist. 

Besuch beim Early Childhood Care and Education (ECCE) Council und der Early Childhood Education Expo in Shah Alam

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch im Büro des ECCE Council in Kuala Lumpur. Der Council ist eine Nichtregierungsorganisation, die die Professionalisierung und Qualitätssicherung der frühkindlichen Bildung in Malaysia vorantreibt und Fachveranstaltungen wie die Early Childhood Education Expo mitorganisiert. Im Gespräch wurde deutlich, wie herausfordernd die flächendeckende Versorgung mit qualitativ hochwertigen Einrichtungen gerade in ländlichen Regionen ist.

Der ECCE-Council ist eine Schnittstelle zwischen der frühkindlichen Bildungsbranche und Behörden wie dem Bildungsministerium, dem Ministerium für höhere Bildung sowie weiteren Regierungsstellen.

Besonders dankbar bin ich für die herzliche Begleitung: Der ECCE Council vermittelte zahlreiche Kontakte zu Einrichtungen, organisierte große Teile meines Job-Shadowings und gab meinem Aufenthalt damit eine klare Struktur.

Begleitet von Vertreterinnen des ECCE Council konnte ich auch die Early Childhood Education Expo besuchen. Sie bot einen umfassenden Überblick über die Vielfalt frühpädagogischer Angebote – von privaten und religiös geprägten Kindergärten über Lern- und Gesundheitsangebote bis hin zu Einrichtungen für Kinder mit Förderbedarf. Die Messe war zugleich ein Familienevent mit offenen Mitmachangeboten, was für eine lebendige Atmosphäre sorgte.

Es gab auch erlebnisorientierte Bereiche wie die „Farm in the City“. Dort konnten Kinder – und auch Erwachsene – Tieren begegnen und Natur unmittelbar erfahren. So gab es Gelegenheit, ein zahmes Frettchen auf den Arm zu nehmen und zu streicheln. Solche Elemente machten sehr greifbar, wie Lern- und Erfahrungsräume spielerisch und mit allen Sinnen gestaltet werden können. 

Besuch des Kindergartens von Frau Syahiza in Kuala Lumpur

Ein weiterer wertvoller Bestandteil meines Studienaufenthaltes war der Besuch eines Kindergartens in einem muslimisch geprägten Stadtteil. Die Einrichtung beeindruckte durch ihr vielseitig gestaltetes Außengelände: Besonders hervorzuheben war ein Dome-Bereich mit Autoreifen, der den Kindern vielfältige Möglichkeiten für freies und kreatives Spiel bot. Zudem wurden Hühner gehalten und ein Gartenbereich genutzt, in dem gemeinsam mit den Kindern Pflanzen angebaut wurden. Diese Angebote machten den Außenbereich zu einem lebendigen Lern- und Erfahrungsraum.

Auch die Innenräume waren klar strukturiert und boten differenzierte Möglichkeiten: separate Bereiche zum Essen, Spielen und Lernen. Die kulturelle Prägung des Umfeldes spiegelte sich zudem in einem Gebetsraum wider, der fester Bestandteil des Kindergartenalltags war.

Der Besuch verdeutlichte eindrucksvoll, wie pädagogische Praxis, kulturelle Lebenswelten und naturorientierte Erfahrungsräume miteinander verbunden werden können, um Kindern eine ganzheitliche Entwicklung zu ermöglichen. 

Besuch der Whytehouse Education Group in Penang

Ebenfalls durch den ECCE Council organisiert war mein Besuch bei der Whytehouse Education Group. Dort erhielt ich Einblicke in eine Vorschule mit trilingualem Unterricht (Englisch, Malaiisch, Mandarin) sowie in Konzepte für unstrukturiertes Spiel und geplante innovative Waldkindergartenprojekte. Besonders beeindruckte mich die Lernkultur: Kinder arbeiteten konzentriert, wechselten flexibel zwischen Spiel und Stillarbeit und wurden individuell gefördert.

Darüber hinaus engagiert sich die Einrichtung stark in der Elternarbeit und entwickelt eigene pädagogische Materialien. Der Besuch verdeutlichte die hohe Professionalität und Innovationskraft im malaysischen Frühpädagogik-Sektor. 

Besuch am Segi College in Penang

Am Segi College in Penang lernte ich einen Ausbildungsansatz kennen, der praktische Erfahrungen, Projektarbeit und soziales Engagement verbindet. Studierende präsentierten ein Projekt, das sie gemeinsam mit einer NGO für Kinder mit Beeinträchtigungen durchgeführt hatten. Neben Fundraising-Aktivitäten organisierten sie angeleitete Spielsituationen im Playroom, wo auch Kinder mit Trisomie 21 oder Autismus einbezogen wurden. Die Studierenden zeigten ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Reflexionsfähigkeit und Engagement. Für mich war dies ein beeindruckendes Beispiel gelebter Öffentlichkeitsarbeit für frühkindliche Bildung. 

Besuch an der HELP University in Kuala Lumpur

An der HELP University konnte ich schließlich an einer Lehrveranstaltung teilnehmen, die sich mit den sogenannten MINT- bzw. STEAM-Fächern befasste. Studierende führten praxisnahe Experimente im Bereich Technik durch und arbeiteten in Gruppen. Trotz der unterschiedlichen Rahmenbedingungen waren viele Parallelen zu unseren didaktischen Konzepten erkennbar. Der Fokus auf interdisziplinäres, praxisorientiertes Lernen war besonders inspirierend. 

Fazit

Mein Studienaufenthalt in Malaysia bot mir vielseitige und tiefe Einblicke in die frühpädagogische Ausbildung und Praxis vor Ort. Besonders wertvoll war der Austausch mit Hochschulen, Nichtregierungsorganisationen und Einrichtungen, die trotz unterschiedlicher Voraussetzungen ähnliche Ziele verfolgen: die Qualität frühkindlicher Bildung zu sichern und weiterzuentwickeln.

Neben den fachlichen Erkenntnissen habe ich vor allem die große Offenheit, Gastfreundschaft und das hohe Engagement meiner Gastgeber:innen in Erinnerung behalten. Die Erfahrungen und Kontakte, die ich in Malaysia sammeln durfte, werden meine eigene Arbeit nachhaltig bereichern und eröffnen zugleich Perspektiven für zukünftige Kooperationen. Mein besonderer Dank gilt dem ECCE Council und Frau Abdel Wahab für die Gesamtkoordination des Studienaufenthaltes.