Lebendige Geschichte am Berufskolleg Simmerath/Stolberg
STOLBERG. Dass ein Stadtarchiv weit mehr ist als ein staubiges Lager für altes Papier, erfuhren jetzt die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13 des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit. Im Rahmen eines Projekttages zur historisch-politischen Bildung am 21. November 2025 holte Bildungsgangleiter und Fachlehrer René Maaßen die lokale Geschichte direkt in die Schule. Der Stolberger Stadtarchivar Christian Altena war am Berufskolleg zu Gast.
Das Gedächtnis der Stadt erklärt
Altena nutzte den direkten Austausch im Klassenzimmer, um den Jugendlichen das „Handwerk“ der Geschichte nahezubringen. Er erläuterte anschaulich, was ein Archiv eigentlich ist, wie ein Archivar Quellen sichert und welche Zeiträume das „Gedächtnis der Stadt“ abdeckt.
In der anschließenden Diskussionsrunde sorgte der Archivar für einen „Aha-Effekt“ beim Thema Industrie- und Stadtentwicklung. Er erklärte, dass der stolze Beiname „Kupferstadt“ historisch gesehen ungenau ist. Da in den Stolberger Höfen vornehmlich Kupfer mit Zinkerz (Galmei) legiert wurde, müsste die Stadt korrekterweise „Messingstadt“ heißen.
Von der Flut bis zum sozialen Brennpunkt
Neben der Industriegeschichte wurden auch kritische Themen nicht ausgespart. Altena ordnete die Krisen der Stadtgeschichte ein - von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und der NS-Zeit bis zur verheerenden Flut 2021, wobei er auch auf einen historischen Vorläufer des Hochwasserereignis einging. Auch sozialhistorische Aspekte, wie die Entwicklung des Ortsteils Mühle zum sozialen Brennpunkt oder die Geschichte des eigenen Schulstandortes, wurden beleuchtet.
Exkursion zur Befreiung Aachens
Für den Differenzierungskurs Geschichte ging der Tag außerhalb des Klassenzimmers weiter. Die Gruppe besuchte das Centre Charlemagne in Aachen.
Dort diskutierten die künftigen Abiturienten mit dem stellvertretenden Museumsleiter, Herrn Neugebauer, über ein entscheidendes Kapitel der regionalen Historie. Die Befreiung Aachens durch die Alliierten und die spezifische Situation der Stadt in der Endphase des Zweiten Weltkriegs.