Move around and learn in Europe!!

Kroatien kennen wir meist nur als sonniges Ferienziel, Vizeweltmeister im Fußball, als Drehort für Game of Thrones und wegen vieler mediterraner Köstlichkeiten.

Und sonst? Wie funktionieren allgemeine und berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung und der Arbeitsmarkt? Wie wird in Kroatien gelernt und gelehrt? Wie wird man Erzieher/in, Kauffrau/Kaufmann oder Kfz-Mechatroniker?

Um diese Aspekte zu erkunden, haben sechs Lehrerinnen und Lehrer unseres Berufskollegs aus verschiedenen Bildungsgängen und mit unterschiedlichen Fächern vom 25.11. bis 29.11. verschiedene Lernorte in Kroatien besucht.

Erste Station war die Universität Zadar, an der Studiengänge für Erzieherinnen und Erzieher, resp. Elementarpädagog*Innen angeboten werden. Durch den kollegialen Austausch wurde deutlich, dass kroatische und deutsche Vorstellungen über bildungsfördernde, am Kind orientierte pädagogische Konzepte gar nicht so weit auseinander liegen.

Dieser Eindruck bestätigte sich bei einem Besuch einer mit der Universität kooperierenden Kita, deren pädagogische Ausrichtung auf Selbsttätigkeit des Kindes, auf Naturverbundenheit

und auf dem Umgang mit kulturellen und historischen Gegebenheiten fokussiert.

 

Auch ein Blick auf ‚unternehmerisches Handeln‘, als Teil der pädagogischen Bildung wurde und ermöglicht: so werden die Oliven, die im Garten der Kita wachsen, von den Kindern geerntet, in Salzlake eingelegt, gemeinsam zur Mühle gebracht, das gepresste Olivenöl in Fläschchen verpackt und an die Eltern verkauft. Der Erlös fließt dann zurück in die Ausstattung der Kita.

 

Durch Hospitationen bei verschiedenen Veranstaltungen und Seminaren und im Austausch mit den Professorinnen und Professoren über duale Ausbildung und Studiengänge in Deutschland und Kroatien konnten wir tiefe Einblicke in ein völlig anderes berufliches Qualifizierungssystem gewinnen.

Insbesondere in Split haben wir an einer kaufmännischen Handelsschule „gelernt“, dass ein „duales“ Ausbildungssystem wie das in Deutschland nur in Ansätzen in Kroatien existiert, und das berufliche Bildung dort vor einem großen Reformprozess steht.

Ausgebildet werden an dieser Schule hauptsächlich Kaufleute im Einzelhandel. Ihre Qualifikation erhalten sie von der Schule, duale Partnerschaft zwischen Betrieben, Kammern und Schulen gibt es nicht.

Beeindruckt hat uns vor allem die Motivation und das Engagement der Kolleginnen und Kollegen in Zadar und Split - trotz der Tatsache, dass der Lehrerberuf in der kroatischen Bevölkerung nicht gerade oben auf der Beliebtheits- und Wertschätzungsskala steht.

Für die Zukunft planen wir weitere Zusammenarbeit in Form von Austausch und Mobilitäten für Schüler*Innen, Studierende und Lehrerinnen und Lehrer.

 

Sabine van Nek / Birgitta Hillemacher

 

Feedback der Kolleginnen und Kollegen zur Kroatienreise:

 

Dr. Sabine van Nek, Lehrerin für Sozial- und Heilpädagogik

Persönlich profitiere ich vom Kroatienaufenthalt durch die vielen neuen Kontakte, sowohl zu KollegInnen aus Stolberg als auch zu denen aus Zadar und Split. Auch das Kennenlernen kroatischer Geschichte und kroatischer Lebenswelten, das durch die wunderbare Vorbereitung unseres Kollegen Tonci Grubisic ermöglicht wurde, empfand ich als persönliche Bereicherung.

Beruflich waren die Einblicke, die uns die Kolleginnen und Kollegen in ihre Berufswelten gestatteten von großer Bedeutung; neue (Er)kenntnisse, z.B. über pädagogische Konzepte und das Studium der Elementarpädagogik brachten unbewusste Vorurteile ins Wanken, und die Möglichkeit zu zukünftigen Kooperationen schafft neue Perspektiven.

Diese Art der Mobiltäten ist auf jeden Fall wünschens- und wiederholenswert

  

Meike Schülke, Referendarin, Fächer: Deutsch und Sozialpädagogik

Unsere Reise nach Kroatien war sehr geprägt von einem offenen Austausch über didaktische und pädagogische Grundgedanken der verschiedenen Institutionen und der Reflexion des eigenen Berufsbildes. Dieser Austausch, insbesondere mit den kroatischen Kolleg*innen, hat mich in meiner pädagogischen Grundhaltung, die ich meinen Schüler*innen im Sozialpädagogik-Unterricht vermittle, aber ihnen ebenfalls im Alltag entgegenbringe, gestärkt und somit meine unterrichtliche Tätigkeit positiv beeinflusst. Ich bin unglaublich dankbar diese Mobilität erleben zu dürfen und freue mich zukünftig auf weitere spannende Menschen, Gespräche und Einrichtungen!“

  

Jörg Milles, Lehrer für Mathematik und Englisch

 

 „Was bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat, ist die Tatsache, dass durchaus Unterschiede im kroatischen Ausbildungssystem – im Vergleich zum deutschen Ausbildungssystem - zu erkennen waren. Die unterschiedliche Herangehensweise bei der Aus- und Weiterbildung sowie die damit verbundene Professionalisierung von jungen Menschen im Berufsleben empfand ich dabei als besonders spannend“.

 

Nachdenklich hingegen hat mich die Tatsache gestimmt, dass die kroatischen Lehrer trotz ihres unermüdlichen Einsatzes einen schlechten Stand in der Gesellschaft haben und oftmals nebenbei anderen Tätigkeiten nachgehen müssen, um sich sozial abzusichern. In einem solchen Moment wird einem einmal wirklich bewusst, auf welchem Niveau wir, die deutschen Lehrer, manchmal klagen.“

 

Tonci Grubisic, Lehrer für Sport und Gesundheitsförderung

Die Begeisterung der kroatischen Kolleginnen und Kollegen hat mich sehr beeindruckt. Kroatien, als letztes EU Mitglied, hat sich mit professionellem Ehrgeiz und Engagement rasant entwickelt. Es gibt mir zu denken, wie unterschiedlich die finanzielle Vergütung in Europa für gleiche Arbeit ist. Gerne würde ich noch einmal an einem Austausch teilnehmen.

 

Birgitta Hillemacher, EU-Beauftragte, Lehrerin für Englisch und Französisch

 Am nachhaltigsten war für mich wieder einmal die Erfahrung, wie unterschiedlich die Rolle einer Lehrerin/eines Lehrers in Europa ist, welche „Wertigkeit“ Ausbildung in Kroatien hat und wieviel Motivation und Engagement Lehrende trotz unbefriedigender Arbeitsbedingungen und lähmender politischer Umstände zeigen. Diese Erfahrungen haben mich „nachdenklich“ gemacht bezüglich meiner eigenen beruflichen Situation. Eine positive und bereichernde Erfahrung war vor allem, wie wir als Team bei der Organisation, Durchführung und Reflexion dieser Mobilität zusammengewachsen sind.

 

Michael Lörgen, Lehrer für Deutsch, Französisch und Geschichte/Gesellschaftslehre

Trotz des Lehrerstreiks an einigen Tagen hat mir die Mobilität in Split viel gebracht. Man bekam mehr als nur einen Einblickin das kroatische Schulsystem. Die dortige Infrastruktur, der soziale Stellenwert der Lehrer und auch der Umgang seitens des Staates mit den Kollegen aus Kroatien aus Kroatien haben mir aufgezeigt,wie in einem anderen Land der EU mit unserem Metier umgegangen wird.
Privat kann ich nur sagen, dass es absolut schön war, mit ansonsten z.T. weniger bekannten Gesichternund Kollegen in einem beruflich-privaten Umfeld zu reden. Das hilft sicherlich sehr dabei, den Kontakt imLehrerzimmer mit eben diesen Kollegen weiter zu pflegen.

Ich würde es auf jeden Fall wieder machen. Gerade als Sprachenlehrer (Deutsch, Französisch) ist Erasmus eine wunderbare Idee, um nicht nur den eigenen sprachlichen Horizont zu erweitern, sondernihn auch interkulturell mit anderen Kollegen teilen zu können.