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Theater? Ist doch klasse! Zum ersten Mal überhaupt zeichnet dasTheater Aachen eine Klasse für ihr Engagement aus, die Schüler der Theaterklasse des Berufskollegs Simmerath / Stolberg

01.03.2012

Quelle: Stolberger Nachrichten vom 1. März. 2012

Stolberg. Am Anfang gab's das große Murren. Kirsten Hanenberg hatte es wahrscheinlich erwartet - denn welcher Schüler geht schon freiwillig gerne ins Theater? Nein, auch die Klasse BG 19 des Berufskollegs Stolberg/Simmerath war nicht sonderlich angetan von diesem Vorschlag. Und dann auch noch "Die Hochzeit des Figaro" von Mozart. «Wir wollten doch nur unseren Schulabschluss haben. Das Theater war für uns etwas für arrogante, eingebildete und hochnäsige Leute», schildert Delia Kraft, Klassensprecherin der BG 19, die Vorurteile der Schüler. Das war im November. Ein paar Monate später hängt ein Spielplan des Aachener Theaters noch immer im Klassenzimmer. Die nächsten Termine sind bereits dick mit schwarzem Filzstift markiert.
«Es ist etwas passiert, ganz langsam», beschreibt Delia Kraft die Entwicklung, die bei den Schülern mit dem ersten Theaterbesuch in Gang gesetzt wurde - und die ist bemerkenswert.
Die 16- bis 18-jährigen Jungs und Mädchen, die auf der Berufsschule ihren Realschulabschluss machen, haben seitdem fast kein Stück mehr verpasst und auch schon Blicke hinter den Vorhang der Bühne geworfen. Stücke wie Georg Büchners Woyzeck oder Tartuffe haben sie sogar zwei Mal gesehen.
Viel Engagement
Das kam dann auch irgendwann den Verantwortlichen des Theaters merkwürdig vor: «Mir ist immer die gleiche Gruppe bei den Kostproben bzw. Vorstellungen aufgefallen.», erzählt Theaterpädagogin Mira Loos. «Ich habe die Schüler kennen gelernt und gesehen, was für einen Aufwand sie betreiben.» Denn die Jugendlichen aus Stolberg besuchen das Theater nicht etwa während der Schule, sondern in ihrer Freizeit, manchmal sogar samstags, sonntags - und vor allem freiwillig.
So viel Engagement wollten die Verantwortlichen des Theaters Aachen nicht unbelohnt lassen und zeichneten die 19 Schüler zur Theaterklasse 2011/2012 aus. Zu der geehrten Klasse gehören neben den Schülern der BG 19 auch Schüler der IN 05 - angehende Industriekaufleute - und ein Schüler der HH 15.
Die Gruppe darf sich geehrt fühlen: Sie ist die erste, die diese Auszeichnung erhält. Oder anderes formuliert: Sie ist überhaupt erst der Grund, warum das Theater diesen Preis verliehen hat. «So viel Engagement muss man einfach packen und pushen. So ist erst die Idee entstanden, die Schulgruppe auszuzeichnen», erklärt Mira Loos.
Wie wichtig dem Theater die Anerkennung ihres neuen Publikums ist, bewies die große Delegation, die bei der Prämierung in der Aula des Berufskollegs auf den Stühlen Platz nahm: Neben Schauspielern des Ensembles war auch die gesamte künstlerische und kaufmännische Leitung des Aachener Theaters in der Schule zu Gast, darunter auch Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck.
Der konnte seine Begeisterung über die theaterinteressierte Gruppe kaum verbergen: «Ich bin sehr beeindruckt. Was hier passiert, ist der absolute Idealfall. Ich kann auch niemandem mehr erzählen, wie man Kunst erleben soll, weil das alles hier stattfindet.»
Dass Kunst und Kultur auf der Berufsschule so gelebt werden, hat vor allem mit dem Einsatz von Kirsten Hanenberg zu tun. Sie initiiert schon seit Jahren mit verschiedenen Gruppen Besuche des Theaters und bietet an der Schule Arbeitsgemeinschaften zum Thema Theater, Kunst und Kultur an. Jährlich reist Kirsten Hanenberg mit Schülern nach Paris, um Kunst unmittelbar vor Ort zu erfahren. Doch dass gerade der Theater-Funken auf die ausgezeichnete Klasse so überspringt, dass hat sie auch noch nicht erlebt. Die Jugendlichen haben auch deshalb Gefallen am Theater gefunden, weil ihnen die Entstehungsgeschichte und Hintergründe der Stücke von Kirsten Hanenberg sorgfältig näher gebracht worden sind und nachbereitet werden. Sie verstehen, was auf der Bühne passiert und welche Bedeutung es hat.
Niemanden alleine lassen
Dafür ist auch Mira Loos zuständig, die Theaterpädagogin kommt dafür extra in den Unterricht. «Wir lassen da niemanden alleine», versichert sie. Schließlich hat vor allem das Theater ein großes Interesse daran, junge Leute nachhaltig für die Bühne zu begeistern.
Das ist bei der Theaterklasse der Berufsschule längst gelungen. Für Mira Loos und ihre Kollegen bleibt nur zu wünschen, dass das Beispiel der neuen Theaterklasse - im wahrsten Sinne des Wortes - Schule macht: «Die Schüler haben wirklich ein Zeichen gesetzt, auch für andere Schulen: Theater ist cool und vor allem für alle Gesellschaftsschichten.»

„Themen waren echt interessant"

Zwei Fragen an: Delia Kraft, Klassensprecherin des BG19

Was hat euch am Theater besonders gefallen?
Kraft: Besonders interessant war, wie Bühne und Orchester miteinander kommuniziert haben. Und in den Stücken wurden Themen behandelt, die echt interessant waren. So hatten wir uns das nicht vorgestellt.
Hand aufs Herz: Schaut ihr euch auch in Zukunft regelmäßig Inszenierungen im Theater an?
Kraft: Ja, definitiv. Über unsere Lehrerin kommen wir gut an die Karten. Wir haben jetzt fünf Stücke gesehen, manche sogar zwei Mal. Jetzt schauen wir uns zum Beispiel „Die Fledermaus" an. Und wir machen das ja alles in unserer Freizeit.

Die Schüler der Theaterklasse
Diese Schüler haben mitgewirkt: Ismail Akbas, Sotirios Bouikidis, Rilind Cakiqi, Kimberley Cormann, Giulietta Di Palma, Prescilia Dikilu-Litanda, Alina Fadeewa, Angelique Hinkelmann, Dennis Kliche, Delia Kraft, Jennifer Paschelke, Justin Schlepütz, Jannik Steins, Jessica Gollub, Linda Gottfried, Mirko Jansen, Vera Pruski, Nadine Römer, Maurice Hartmann.

„Die Schüler haben wirklich ein Zeichen gesetzt, auch für andere Schulen: Theater ist cool."
Mira Loos, Theaterpädagogin

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