Der Todestag des Ausnahmekünstlers EGON SCHIELE jährte sich Ende 2018 zum 100. Mal. Grund genug, in Zeiten von Bodyshaming und Hassbotschaften im Internet mit Jugendlichen zu untersuchen, was Schieles Werk uns mit seinem schonungslosen, zum Teil brutal expressiven, unverschleierten Blick auf den menschlichen Körper heute noch zu geben hat.

Die jungen Künstler, alle Absolventen der Berufsfachschule für Wirtschaft bzw. Gesundheit & Soziales interpretierten überwiegend Akt-Skizzen von Egon Schiele. Neben dem Erlernen von Formen- und Farbenlehre ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper ein generell recht heikles Thema. Und das Bild des nackten, entblößten Körpers in der Öffentlichkeit dazu ziemlich riskant.

Wie gelingt es also, sich diesem Risiko unbeschadet auszusetzen, den Körper ganz ohne Scheu zu betrachten, ihn als etwas Natürliches, sehr Persönliches und gleichzeitig Wunderbares zu sehen? Das ist nicht so leicht – schon gar nicht im Alter zwischen 16 und 19 Jahren - den eigenen, vermeintlich unvollkommenen Körper so anzunehmen, wie er ist. Ein bisschen zu viel Bauch und Po oder zu kleine Brüste? Es gibt ein Schönheitsideal, das uns in der Werbung vorgegaukelt wird und an dem sich vor allem Frauen orientieren. Mit der Folge, dass sie zunehmend unzufriedener mit dem eigenen Körper sind. Und auch kritischer, wenn sie auf den Körper anderer schauen. Das äußert sich sehr oft im so genannten "Bodyshaming" und in richtig fiesen Kommentaren im Netz. Es ist gar nicht leicht, sich von Hochglanz-Illustrierten zu lösen, sich wohl zu fühlen in seinem eigenen, individuellen Körper, zu ihm und damit auch zu uns selbst zu stehen - das ist ein Prozess. In diesem Prozess wurde geredet, gestritten und gemalt der Körper betrachtet – irgendwann ohne Scheu; die Schüler malten frei Hand, klebten Skizzen- und Zeitungs-Fragmente collageartig auf, strukturierten mit Pasten, hoben Feinheiten mit Pinsel, Acryl, Buntstift und Kohle heraus, entsprechend ihrer individuellen künstlerischen Begabung.

Es entstanden Schiele-Gemälde, keine Kopien, sondern NEU-Interpretationen, die es so überhaupt nicht gibt und die doch Egon Schiele ganz und gar und dazu unverhüllt und gewagt ausdrücken – nun aber weniger mit dem schamhaft gesenkten Blick auf den nackt dargestellten Körper als auf das geschaffene individuelle Werk eines jungen Menschen.

Aus diesem Projekt ergaben sich eine Kooperation mit der Österreichischen Galerie BELVEDERE mit einer Reise der jungen Künstler nach Wien. Einen ganzen Tag waren die Schüler besonderer Gast im Schloss und Museum Belvedere, wo sogar ihre Gemälde ausgestellt wurden! Sie kamen in den Genuss einer Führung mit Workshop zur Egon-Schiele-Ausstellung; wurden mit den Highligts und der Vergangenheit der Stadt bekannt gemacht und durch Wien geführt; sie besuchten die historische Kapuzinergruft, erlebten “La Cenerentola” in der Wiener Staatsoper, wurden als Gäste durch die Schiele-Ausstellung des Museums Leopold geführt. Ganz besonders herzlich wurden die Schüler bei unserem zweiten Kooperationpartener, dem Museum ALBERTINA, aufgenommen. Neben einer speziellen Führung durch die Prunkräume arbeiteten sie kreativ an einem Workshop, wie man Konflikten mit Kunst begegnen kann und diskutierten mit der Leiterin der Abteilung Kunstvermittlung über die vielfältigen Chancen und ungeahnten Möglichkeiten, die derartige Museums-Aktionen jungen Leuten bieten können. Also - auf zur Kunst! Es lohnt sich!

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