Stolberg. Seit mittlerweile 13 Jahren führt die gemeinsame Ausbildungsbörse der Städte Stolberg und Eschweiler regionale Ausbildungsbetriebe mit Schülern zusammen. Dabei steht die Vermittlung von Zukunftsperspektiven und die Information von Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten im Vordergrund. In diesem Jahr fand die Börse wieder in der Turnhalle des Berufskollegs Simmerath/Stolberg statt – als kleine Messe.

Vielzahl an Berufen

An 58 Informationsständen konnten sich Schüler über eine Vielzahl von Berufen informieren. Neben Bäckereibetrieben, Krankenkassen, Energieversorgern und sogar einer Fahrschule war unter anderem auch die Feuerwehr Stolberg vertreten. „Unser Hauptziel ist es, wie bei den anderen Ausstellern auch, unser Berufsbild den Jugendlichen näher zubringen“, sagt Michael Bartz vom Sachgebiet Ausbildung. „Auch wir müssen um den Nachwuchs kämpfen“, sagt er weiter. Und das obwohl die Stolberger Wehr eine der größten Jugendfeuerwehren in der Städteregion besitzt. „Man muss trotzdem immer aktiv bleiben“, so Bartz. Dabei steht bei ihm gar nicht so sehr im Vordergrund, was die Feuerwehr so macht. „Das wissen die Meisten“, sagt er, „vielmehr geht es in den Gesprächen über die Einstiegsmöglichkeiten.“ Diese seien in vielen Fällen das Problem, da sich nicht alle im Vorfeld darüber informieren würden. „Aber dafür sind wir ja da.“ Der Info-Stand der Feuerwehr ist ein gutes Beispiel, dass auf der Messe nicht nur außergewöhnliche beziehungsweise regionalspezifische Arbeitgeber vertreten sind. Auch die „klassischen“ Berufsbilder, die man bereits seit Kindertagen kennt, müssen um qualifiziertes Personal kämpfen.

Interessen wecken

Im Fall der Feuerwehr hat das Kämpfen bereits erste Früchte getragen. Auf jeden Fall für Jonathan Willems. Der 16-Jährige hatte vor der Veranstaltung nur eine grobe Vorstellung seines Berufswunsches: „Irgendwas im kaufmännischen oder sozialen Bereich.“ Die Feuerwehr rückt nun allerdings auch auf der Liste des Neuntklässlers weit nach oben. Genau für Schüler wie Jonathan ist die Ausbildungsbörse gedacht: Sie soll Interessen wecken.

Seine Mitschülerin Lena Schumann hingegen hat schon konkrete Ideen, was sie später einmal machen möchte: „Ich will unbedingt in den Pflegebereich.“ Trotzdem nutze sie das Angebot, um auch einmal einen Blick in andere Berufe zu wagen.

„Genau das ist so toll an so einer Veranstaltung“, sagt Helge Pipoh, Schulleiter der ersten Stolberger Gesamtschule. „Auch wenn wir versuchen, unsere Schüler bestmöglich auf einen Berufseinstieg vorzubereiten, ist der konkrete Kontakt mit Firmen wichtig“, so Pipoh. „Besonders gut ist, dass die Hemmschwelle der Schüler für Gespräche sinkt, da hier auch oft direkt aktuelle Auszubildende der Unternehmen zur Beratung zur Verfügung stehen.“ Mit der kompletten neunten Jahrgangsstufe ist die Gesamtschule angereist – das sind immerhin 130 Schüler. „Wir nehmen die Berufsvorbereitung sehr ernst. Aber oft ist ein Gespräch mit einem Fachmann deutlich hilfreicher, als ein Vortrag von einem Lehrer.“ Außerdem könne er sich gut vorstellen, das Konzept – Berufe von Fachleuten vorzustellen – auch mit in die eigene Schule zu nehmen. Bis dahin sei er aber froh, über die große Auswahl an Informationsmöglichkeiten für seine Schüler auf der Messe.

Mehr Besucher als erwartet

„Insgesamt haben wir circa 500 Schüler erwartet“, sagt Nathalie Malekzadeh, Leiterin des Stolberger Wirtschaftsförderungsamtes und Organisatorin des Events. „Aber bereits um 12 Uhr haben wir diese Schätzung schon überschritten.“ Genaue Zahlen, wie viele das Angebot der beiden Städte annehmen, gibt es nicht. „Das können wir gar nicht genau festhalten. Das wäre ein viel zu großer Aufwand“, sagt Malekzadeh. Das Ziel sei nämlich nicht, viele Schüler in die Turnhalle zu quetschen, sondern qualitativen Austausch mit regionalen Unternehmen zu bieten. „Und den können wir hier jedem Anwesenden bieten. Davon bin ich überzeugt.“

Dafür sind auch Angelina Grunert und Katharina Blaskowski da. Die beiden Azubis zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft bei der AWA Entsorgung, einem Dienstleistungsunternehmen aus Eschweiler, vermitteln gerne ihre Erfahrungen in einem regionalen Unternehmen. „Es ist, glaube ich, schon ein Vorteil. Wir können uns noch ein bisschen besser in die Lage der Schüler hinein versetzen, weil wir altersmäßig nicht ganz so weit von ihnen entfernt sind“, sagt Grunert.

Azubis in einer Männerdomäne

Außerdem sind die beiden ein „Parade-Beispiel“, wie ihr Ausbildungsleiter Frank Lenzen sagt, dass sich in der heutigen Zeit auch Frauen in sogenannte Männerberufe trauen sollten. „Wir wollen den jungen Mädchen auch eine andere Perspektive zeigen“, sagt Blaskowski, „wir sind das lebende Beispiel, dass auch ein von Männern dominierter Job mit seiner Vielfältigkeit Interessant für junge Mädchen sein kann.“ Authentisch sein sei dabei das Wichtigste, wie die beiden sagen. „Die Schüler merken, ob man für etwas begeistert ist oder nur erzählt, was einem von den Chefs gesagt wird“, so Grunert, „aber da sind alle richtig bei uns, denn wir haben richtig Spaß an dem, was wir machen.“

Auch der regionale Gedanke ist für viele Schüler besonders wichtig. „Ich möchte auf jeden Fall etwas in der Region finden“, sagt Lena Schumann. „Deswegen bin ich froh, dass sich sehr viele Unternehmen aus Stolberg und Eschweiler vorstellen. Oft sieht man die großen Firmen, wenn man dran vorbeigeht oder -fährt, aber weiß gar nicht, was sie machen.“

Deswegen sind solche Kontakte für die Schüler auch das ausschlaggebende Kriterium, diese Veranstaltung zu besuchen. „Also, ich bin in meinem Bild, was ich später machen möchte, definitiv einen Schritt weiter gekommen“, sagt Jonathan Willems. So wie ihm und seiner Mitschülerin wird es wohl auch den meisten Schülern an diesem Tag gegangen sein.

Das Interesse der Schulen ist groß

Was sind die Vorteile, die Ausbildungsbörse als Messe zu veranstalten?

Malekzadeh: Vor zwei Jahren haben wir die Veranstaltung das erste Mal in die Turnhalle verlegt. Das Gute daran ist, dass die Schüler an jedem Stand vorbeigehen müssen. Macht man so etwas in verschiedenen Räumen, entstehen immer Interessen-Bündel, und viele bekommen gar nicht mit, was es sonst noch für interessante Berufe gibt.

Was bedeutet die Börse für die Ausbildungsunternehmen?

Malekzadeh: Hier kann sich jeder konkret vorstellen und zeigen, was er zu bieten hat. Oft bringen die Unternehmen auch ihre aktuellen Azubis mit. Dann verlaufen die Gespräche ganz anders, und die Schüler sind motivierter, sich über einen Beruf zu informieren. Viele von ihnen wissen gar nicht, was man in der Region alles machen kann. Und die Unternehmen suchen teilweise schon für nächstes Jahr.

Nehmen die Jugendlichen das Angebot gut an?

Malekzadeh: Ja, sehr gut. Wir haben mit 500 Schülern gerechnet, am Ende waren es deutlich mehr. Auch das Interesse der Schulen ist groß. Das sieht man schon daran, dass ganze Jahrgangsstufen zu dieser Messe kommen.

„Wir wollen den jungen Mädchen auch eine andere Perspektive zeigen.“

Katharina Blaskowski

Auszubildende, AWA Entsorgung 

(Aachener Zeitung vom 9. Mai 2017, von Tyrone Schwark) 

Fotogalerie