Stolberg. Wenn prominente Geburtstagskinder feiern, dann muss der Ort des Geschehens auch etwas hermachen und die Gäste lassen sich nicht lange bitten – alles Charakteristika, die auf das Fest zum 150-jährigen Bestehen des Berufskollegs am Samstag im Museum Zinkhütter Hof zutreffen. Menschen, die als Lehrer und Schüler dem Institut verbunden sind oder waren, dazu etliche politisch Handelnde, versammelten sich und verbrachten zusammen mit Schulleiterin Ingrid Wagner und ihren zahlreichen Kollegen zwei, drei denkwürdige Stunden.

Festakt im Zinkhütter Hof

Ein langer Vormittag war das, aber auch und vor allem ein reicher. Denn nicht die Reden an sich waren das, was diese Zusammenkunft belebte – es waren die Begegnungen, die Momente, in denen Menschen ihre Geschichte vom Berufskolleg erzählten, etwas von sich preisgaben. Das tat ganz ohne Worte, aber mit viel Musik und noch mehr Gefühlen einer, dem das Kolleg geholfen hat, in Deutschland Boden unter Füßen zu bekommen: Mit Liedern zur Gitarre nahm Jan Mohammad, gebürtig aus Syrien, sein Publikum für sich ein und vermittelte ihnen so sehr direkt eine Anschauung davon, was das Kolleg wie das auf dem Obersteinfeld oberhalb des Krankenhauses gelegene in Stolberg für seine Schüler und ihr Leben bedeuten kann. Auch in das Leben seiner Leiterin hat sich die Geschichte eingeschrieben – was die Oberstudiendirektorin schon mit ihrem Bekenntnis zur „Ernstnahme der Potenziale der jungen Menschen“ erkennen ließ.

Und Ingrid Wagner verriet, wie sie diversen He­­­­­raus­­­forderungen wie die Integration junger Flüchtlinge am liebsten anpackt: „Der Lehrer als Einzelkämpfer ist out – Teamarbeit ist gefragt.“ Schmunzelnd erinnerte die Pädagogin an die Geldstrafen für unpünktliche Schüler der am 1. April 1867 für Stolberger Handwerker und Fabrikarbeiter gegründeten Bildungseinrichtung.

 

Und sie feierte die Vereinigung mit dem Kolleg in Simmerath: „Die Fusion war die richtige Entscheidung und, mehr noch, eine Erfolgsgeschichte.“ Viele Ausbildungen unter zwei Dächer, einem in der Kupferstadt und einem in der Eifel: Das freut die Chefin noch immer : „Als Bündelschule bilden wir die ganze Vielfalt ab.“

Anlass zum Jubeln fand bei der von Redakteur Robert Esser moderierten Gratulationscour auch Helmut Etschenberg. Der Städteregionsrat, auf dem Umweg über einen Zweckverband oberster Dienstherr von Ingrid Wagner und den anderen Lehrern, lobte den „nachhaltigen, hervorragenden Schulerfolg“ und bekannte sich zum Engagement: „Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, Schulen mit höchster Qualität auszustatten.“ Darüber hinaus charakterisierte der CDU-Politiker als „bedeutender Anbieter von schulischer und beruflicher Förderung“ und „ganz bedeutendes Kompetenzzentrum mit weiterhin steigenden Schülerzahlen“.

Gar nicht mal so sehr nebenbei sprach sich Etschenberg für den Beibehalt von Schulen für Kinder und Jugendlichen mit speziellen Lehr- und Lernbedürfnissen aus: „Förderschulen wird es, so lange es nach mir geht, immer geben.“ Alles andere als beiläufig wirkte ebenfalls die Sympathieerklärung des Städteregionsrats an die Adresse von Ingrid Wagner: „Sie hat die Schule sehr stark geprägt, ist kompetent und immer offen für Neues.“

Umrahmt von frisch bis bezaubernd dargebotenen Beiträgen des „Maastricht Jazz Quartet“ und des Berufskolleg-Lehrerchors, rundete eine gleichfalls von Robert Esser moderierte Gesprächsrunde das Meinungsspektrum des Festaktes ab.

Daran beteiligten sich außer Wagner und Etschenberg unter anderem noch der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, der ehemalige Aachener IHK-Geschäftsführer Heinz Gehlen, Schülersprecher Christoph Amling und die bei der Kölner Bezirksregierung für Schulen wie das Stolberger Kolleg zuständige Leitende Regierungsschuldirektorin Claudia Wiemann.

Der Schülersprecher war es, der ein sehr differenziertes Bild vom Alltag im Kolleg entwarf. Einerseits beklagte der ehemalige Berufssoldat: „Vielen Schülern sind Disziplin und Respekt verloren gegangen.“ Anderseits gab er den Lehrern ein dickes Kompliment mit auf den weg, ein rhetorisches Schulterklopfen: „Macht Eure Arbeit weiter!“

„Als Bündelschule bilden wir die ganze Vielfalt ab.“

Ingrid Wagner Berufskolleg-Leiterin

„Sie hat die Schule sehr stark geprägt, ist kompetent und immer offen für Neues.“

Helmut Etschenberg,

Städteregionsrat

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